Über das Verführen

Portrait of a young couple sleeping on bed

Wie wir uns verführen lassen und auf welche Weise wir jemanden verführen kann sehr vielseitig sein. Was bei dem einen ein mit Liebe zubereitetes Essen bei Kerzenschein vermag, braucht bei dem anderen raffinierte Dessous oder den berühmten Wink mit dem Zaunpfahl. Bis hin zu Menschen, bei denen der gesamte Zaun zum Winken auch nicht ausreicht, weil einfach die Chemie nicht stimmt zwischen dem Werbenden und dem Umworbenen.

Wenn man einen neuen Menschen kennen lernt, erfährt man nach und nach etwas über seine Vorlieben. Damit meine ich nicht nur seine/ ihre sexuellen Vorlieben. Nein ich meine, die Dinge, die ihm/ ihr Spaß machen, die im positivsten Sinne sein Herz berühren können. Sei es seine Lieblingsmusik oder auch ein Schokoladenkuchen, der frisch aus dem Ofen die gesamte Wohnung mit seinem Duft erfüllt. Der Auftrieb, den uns das Kennenlernen eines neuen Menschen gibt nutzen wir auch um uns selbst im besten Licht zu präsentieren. Auch das ist Teil des Verführens. Wir möchten als besonders wahrgenommen werden wenn uns jemand gut gefällt.

Besonders wenn wir jemanden mehr als nur gern haben nach einigen Treffen werden wir manchmal ins Teenager-Alter zurück katapultiert und versuchen uns immer wieder neue „Aktionen“ auszudenken, mit denen wir den anderen erfreuen könnten. Was habe ich mir den Kopf zermartert, was ich „ihm“ schenken könnte, das nicht alltäglich ist? Geld ist dabei ausnahmsweise kein Faktor, denn es geht nicht darum große (monetäre) Werte zu verschenken sondern darum Herzblut in die Auswahl von kleinen Aufmerksamkeiten zu legen. Wir schreiben in solchen Momenten wieder Liebesbriefe auf echtem Papier mit Füller statt Kugelschreiber (auch wenn wir uns vielleicht noch nicht trauen sie abzuschicken oder persönlich zu überreichen). Das ist etwas Besonderes. Ich habe z.B. Cover von Songs aufgenommen, deren Text mir half auszudrücken was ich fühlte. (Der Anlass war sein Geburtstag – also gab es einen Grund für Geschenke.) Wer nicht gern singt, dem sei ein etwas altmodisches „Mixtape“ auf dem Datenträger deiner Wahl oder eine Youtube-Playlist für den nächsten gemeinsamen Abend ans Herz gelegt.

Mut zum Risiko gehört immer dazu wenn man nicht genau weiß, ob es dem anderen auch so geht wie Dir. (Er sich also auch in dich verliebt hat.) Aber was verlieren wir wenn wir es nicht versuchen? Natürlich ist Liebeskummer grausam aber es gibt so viel zu gewinnen wenn der andere sich mit dir genau so wohl fühlt wie du dich mit ihm.

Anfangs habe ich viel für und mit ihm geschrieben. Auch über sexuelle Phantasien schrieben wir gern. Das war wahnsinnig aufregend, muss ich zugeben. Natürlich offenbart man damit sehr persönliche Gedanken. (Das sei also gut überlegt.) Der gegenseitige Austausch war mit das Beste daran. Die Briefe und E-Mails überbrückten zum Teil Zeiträume in denen man sich nicht oft sah aber sie waren auch eine Art langsame Verführung. Neben langen Telefonaten. Nicht das erste Mal im Leben habe ich durch wirklich lange Gespräche ernsthaft Interesse an einem Menschen entwickelt – sowohl sexuell als auch menschlich. Die Neugierde hatte viel Zeit zu wachsen…

Manch einer sagt, die Liebe gehe durch den Magen aber vermutlich geht sie vor allem durch unser Gehirn mit all seinen Windungen. Wenn man ähnliche Ideen und Gedanken teilt, Erfahrungen von früher nachvollziehen kann und so langsam immer mehr über den anderen Menschen erfährt, schleicht sich dieser eventuell ganz langsam in dein Herz. Selbst wenn es anders beginnt und niemand weiß wo das mit euch hin führen mag.

Möchte man verführen „nur“ auf das gemeinsame Liebesspiel beziehen: Auch hier gibt es ein „Vorspiel“ zum Körperlichen. Meist treffen wir uns erst auf ein Getränk, gehen ins Kino oder gemeinsam essen bevor wir wissen, ob wir den anderen küssen, berühren und uns gegenseitig festhalten möchten. Die Chemie offenbart sich meist schnell und es knistert zwischen euch, dass man die Luft schneiden könnte vor Spannung. Über kurz oder lang landet ihr beide dann bestimmt miteinander im Bett.

Wie schnell man das angeht bleibt jedem selbst überlassen. Wenn man also im Grunde schon weiß, dass man den anderen vom Scheitel bis zur Sohle erforschen, jeden Zentimeter seiner Haut berühren möchte, beginnt im Grunde erst das eigentliche Verführen. Auch das Warten können gehört dazu. Den anderen selbst zu umwerben und umworben zu werden. Selbst wenn beide bereits ahnen, dass die Frage eher „wann“ lautet statt der Frage ob sie beide miteinander Sex haben werden, kann es geradezu erregend sein das Spiel etwas in die Länge zu ziehen. Nicht, dass es weniger Wert hätte den eigenen Wünschen gleich nachzugeben, nur die Verführung kommt dann etwas kurz.

Vielleicht beraubt man sich selbst auch der Vorfreude und dem Gefühl das bereits kleinste Berührungen auslösen. Die ersten Küsse nur als Küsse zu genießen ohne sich sofort sämtliche Kleidung vom Leib zu reißen kann beinahe eine „süße Folter“ sein, die wir uns selbst auferlegen. Aber wie viel intensiver kann das Erleben später sein! Wenn ich von warten schreibe, meine ich allerdings eher einige Wochen als viele Monate.

Auch wenn beiden bewusst ist, dass sie (nur) Sex miteinander wollen und keine neue Liebe suchen: Die Vorfreude etwas auszukosten ist nicht verkehrt, denke ich. Vielleicht lassen sich mit dieser Taktik auch Aufreißer aussortieren, die jedes Wochenende jemand anderen abschleppen, nur um dann vor ihren Freunden anzugeben. Wenn es um Masse statt Klasse geht bin ich gern raus aus dem Spiel. Denn auch wenn ich Sex als etwas sehr Positives betrachte, so halte ich sexuelles Erleben nicht für beliebig und die Protagonisten schon gar nicht für jederzeit austauschbar.

Für alle in längeren Beziehungen:

Auch hier lohnt sich hin und wieder der Versuch zu verführen. Man staunt welchen Enthusiasmus beide wieder füreinander aufbringen wenn man sich mal eine oder zwei Wochen nicht gesehen hat. (Auch wenn ich bekenne: Für mich klingt das zunächst nach viel zu viel Abstand – aber das Ergebnis belohnt einen um so mehr.) Dann kann man in einigen Momenten wieder die Schmetterlinge im Bauch spüren. Man umwirbt einander wieder und gemeinsame Spiele zwischen den Laken, die zuletzt vielleicht dem Alltag zum Opfer gefallen sind bekommen neuen Auftrieb.

Ich bin ein Mensch, der zu zweit einfach besser ist als allein. Aber Phasen des Alleinseins können trotzdem sehr hilfreich sein! Man bekommt den Kopf frei und geht wieder mit viel mehr Freude auf den anderen zu. Auch findet man selbst wieder Lust am Verführen und daran sich verführen zu lassen! Manchmal braucht es ein Wenig Freiraum, um wieder Ideen entwickeln zu können. Neue Impulse zu erregenden Momenten, die ihr vielleicht früher im Schlafzimmer (oder jedem anderen eurer Lieblingsorte) miteinander erlebt habt.

Wie verführt ihr? Was stellt ihr alles so an wenn ein neuer Mensch in euer Leben tritt und ihr ihn gern eine Weile darin behalten möchtet?

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