Spontane Lust

Man face

Manchmal streifen wir nachts durch die Stadt und tummeln uns zwischen allen Anderen, denen nach feiern, tanzen, dem Alltag entfliehen ist. Sich treiben lassen, zwischen den Menschen hier. Eindrücke aufnehmen. Laute Musik, flackernde Lichter und sich bewegende Körper. Sie interessieren Dich nicht als Ganzes. Du suchst nur nach der einen Person, die für heute Abend zu dir passen könnte.

Das junge Pärchen neben dir an der Bar bestellt zwei Bier. Die beiden kichern, küssen sich kurz. Sie sehen aus wie frisch verliebt oder wenigstens ineinander vernarrt. Dein Blick löst sich von beiden und geht wieder auf die Reise im Raum, der typisches Clubambiente verströmt. Dunkle Wände, Tanzfläche, Lichtflecken aus einem Beamer an der Decke tanzen um um die Anwesenden herum. Die gut gefüllte Bar ist in oranges Licht getaucht. Du hältst Dich am eigenen Getränk fest und sucht unbewusst nach etwas oder jemandem, den du noch nicht kennst aber gerne körperlich näher kommen würdest. Blicke schweifen durch die Menge auf der Tanzfläche. Einige hier haben Lust die Haut eines Andern zu spüren – noch heute. Wie selten es wohl passiert, dass sich zwei treffen an einem solchen Abend, die zueinander passen? „Na, egal“, denkst du.

Vom „Anflirten“ zum ersten Kuss des Abends brauchst du nicht lang. Ihr steht mit eurem Bier in der Hand neben der Tanzfläche – versucht euch in Smalltalk aber es ist viel zu laut. Ihr versteht nur jedes dritte oder vierte Wort aber eure Blicke sagen um so mehr. Plötzlich traust du dich. Dein Gegenüber mit den samtig braunen Augen ist etwas perplex als du Deine Lippen plötzlich auf seine drückst. Voller Ungeduld. Schnell wandelt sich seine Überraschung jedoch in Freude. Das Kribbeln in Deiner Magengrube als er deinen Kuss erwidert wird zu freudiger Erregung. Oder nein – erregt warst du bereits als Du den Club betreten hast. Auf der Jagd? Nein, so aggressiv siehst du dich nicht.

Vielleicht unterscheidet dich nur dein Mut von anderen Frauen hier, die warten bis sie erobert werden? Er hat dir gefallen dort auf der Tanzfläche mit seinen wilden, dunklen Locken auf dem Kopf und diesen wunderbar dunklen Augen. So warm. Eure Blicke treffen sich nach dem Kuss wieder. Etwas befangen müsst ihr beide lachen. Eure Getränke lasst ihr an der Bar stehen und verlasst den dunklen, durch die vielen Menschen aufgeheizten Raum. Wie Teenager haltet ihr Händchen – obwohl ihr euch doch gar nicht kennt. Hier draußen in der lauen Sommernacht ist es nicht mehr laut – doch viel mehr als eure Namen sagt ihr euch nicht. Du willst ihn, das weißt du schon jetzt.

Im Licht der Laternen siehst du das satte Braun seiner Augen zum ersten Mal richtig. Mit einem Verlangen, das deine Knie weich werden lässt, blickt er dich direkt an. Weil du nicht anders kannst, lachst du ihn an. So was machst du schließlich nicht jedes Wochenende – die Verlegenheit nimmt kurz der Lust das Ruder aus der Hand. Er ist vielleicht zwei oder drei Jahre älter als du, sportlich leger – kein Aufreißer-Typ. Aber wer reißt hier überhaupt gerade auf? Und: Darf frau das? Darfst du das? Der Gedanke huscht nur kurz durch dein Bewusstsein bevor die Aussicht auf eine Nacht mit seinen Händen auf deiner Haut ihn verdrängen. Ihr bleibt in einem Hauseingang stehen – wieder finden sich eure Lippen. Dieses Mal ein sanfter, langer Kuss, der auf mehr hoffen lässt. Er presst sich gegen dich und du spürst seinen harten Schwanz durch seine Jeans. In deinem Bauch und Deiner Scham kribbelt es immer stärker. Deine Knie drohen kurz ihren Dienst zu versagen. Aber nein, du nimmst das Ruder wieder in die Hand und löst Dich von ihm. Wohin geht ihr überhaupt? Fragst du ihn? Was wenn keiner fragt? Nach einigen hundert Metern, die ihr euch weiter treiben lasst, einer großen Straße voller Nachtschwärmer folgend, nimmst du deinen Mut zusammen: „Kommst du mit zu mir?“ fragst du ihn. Dieses Mal küsst er Dich stürmisch – das war wohl ein ja?!, denkst Du.

Wenn zwei erwachsene Menschen aufeinander treffen, die beide Lust aufeinander haben, kann das eine wunderbare Zeit werden. Jeder, der schon mal Sex mit einer flüchtigen Bekanntschaft erlebt hat ahnt aber, dass es die eine oder andere Unwägbarkeit gibt. Was ich an einem Abend entspannt genießen kann: Das Unverbindliche, sich gegenseitig am Neuen und Unbekannten zu berauschen, hinterlässt im falschen Moment vielleicht einen schalen Beigeschmack und im schlimmsten Fall ein Gefühl der Einsamkeit. Sex ist zwar primär körperliche Nähe – aber schnell kann daraus auch (der Eindruck) emotionale(r) Nähe entstehen. Also sollten wir im jeweiligen Moment auf unsere innere Stimme hören und uns fragen: Kann ich das gerade genießen? Wenn ja: Wunderbar. Genieße die Haut, die Wärme und Nähe des Anderen. Die Küsse, die sexuellen Spielarten nach denen dir der Sinn steht. Was aus so einer Begegnung werden kann weiß meist keiner der Beteiligten – und sei es nur die Erinnerung an einen lustvollen und erregenden Abend wenn man sich nicht wiedersieht. (Abschließend: Gesund bleiben kommt nicht aus der Mode – Schützt euch beide durch Safersex.)

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