Lust an Dominanz & Unterwerfung

Lederfesseln der Hände

Verlässlich verbunden

Zum Kinostart von „Fifty Shades of Grey“ vorab einige Gedanken zu erotischen Spielen mit einem Hierarchiegefälle.

Eine bestimmte Rolle auszufüllen im sexuellen Erleben kann sehr erfüllend sein. Etwas macht „klick“ im Kopf und die Erregung steigt auf ein bisher ungekanntes Level. Manch einer erlebt die Lust daran sich von einem anderen zu höchster Lust führen zu lassen vielleicht in einer heißen Affäre. Andere machen es zu ihrer Weise die eigene Sexualität mit einem oder wechselnden Partnern zu zelebrieren. Selbst tiefe Liebe kann aus solchen (zunächst) sexuellen Beziehungen entstehen.

Die Lust daran zu dominieren oder dominiert zu werden kann nur eine Facette der eigenen Sexualität sein oder auch der Kern dessen was erregt, was Lust bereitet.

In Kenntnis nur des ersten Teils der Fifty Shades of Grey Trilogie, in dem Anastasia Steel die ihr fremden Sexspiele anscheinend nur mitmacht, um Christian Grey nahe zu sein, ist es mir sehr wichtig zu betonen, dass bei all diesen Einlassungen unter Erwachsenen immer Einvernehmlichkeit vorausgesetzt sein sollte. Menschen mit dominanter oder devoter Neigung müssen nicht geheilt werden und andere Menschen, die mit all dem nichts anfangen können oder wollen müssen keineswegs davon überzeugt werden, dass nur eine DOM/ DEV Beziehung ihr (körperliches) Liebesglück bestimmen wird.

Niemand möchte missionieren! Es gilt viel mehr aufzuklären, dass nicht jeder, der höchste Lust empfindet, wenn er sich vom (Sex)Partner leiten lässt ein „Perverser“ ist, oder ein schweres Trauma in der Kindheit erlitten hat. (Wie auch gern in diversen Geschichten bis hin zum einen oder anderen seichten TV-Krimi thematisiert.)

In der BDSM Szene wird viel Wert darauf gelegt, dass alles nach bestimmten Regeln verläuft. Dies kann soweit gehen, dass manch „Normalo“ oder „Vanilla“ Liebhaber die Dogmatik mit der beispielsweise in Ampelfarben angegeben wird, ob zugefügter Schmerz noch erträglich ist als Spießertum empfinden kann. Man könnte belächeln wenn jemand, der gerade Peitsche oder Gerte zu spüren bekommt „grün“, „gelb“ oder „rot“ sagen soll – natürlich nur wenn er oder sie vom dominanten Part gefragt wird. Aber andererseits sichert das beide Partner ab – besonders wenn man sich (noch) nicht so gut kennt. Schließlich will selbst der schlagende Partner den anderen nicht schädigend verletzen. (Vorübergehende Rötungen, Schwellungen und blaue Flecken sind dagegen meist einkalkuliert.)

Ein wesentlicher Grundsatz bei BDSM Spielen ist SSC, was für safe, sane and consensual steht. Also soll alles, was geschieht sicher, vernünftig und einvernehmlich geschehen.

Trotzdem wird in erotischen Geschichten natürlich gern die Bekehrung von (unbewusst) devoten Frauen geschildert. Der Gedanke scheint Autoren/innen von erotischer Literatur besonders zu reizen. Dabei sollte man (im echten Leben) nicht vom ersten Eindruck auf eventuelle sexuelle Vorlieben schließen. Manches Mal kann man sich da ziemlich täuschen. Für einige Menschen, die viel Verantwortung tragen kann es hin und wieder reizvoll sein von all dieser Verantwortung – und sei es nur in einem Lebensbereich – zu pausieren. Sich einfach treiben zu lassen. Spüren was geschieht. Einmal die sprichwörtlichen Zügel aus der Hand geben. Es ist aber natürlich keine Bedingung für eine devote Neigung viel Verantwortung im Beruf oder auch privat zu tragen. Mit einem Hierarchiegefälle im Bett ist nicht zwingend der Wunsch nach Schmerz beim devoten Part verbunden. Nur weil man es genießt, dass der Partner einem die Hände über dem Kopf auf der Matratze festhält oder vielleicht auch fesselt, will man nicht unbedingt auch wissen wie sich eine Bullwip oder Gerte anfühlt.

Zieht man Lust aus der Idee, dem anderen zu dienen, ihm zu gefallen oder gar seinem Willen ausgeliefert zu sein muss es nicht unbedingt „klick“ machen im Lustzentrum bei Kontakt mit Schlaginstrumenten aller Art. Umgekehrt kann Dominanz durchaus Spaß bereiten ohne dem anderen Schmerzen zuzufügen. Ich glaube, die Neigung zu Lustschmerz kann man nicht lernen. Entweder diese verrückte Mischung aus Schmerz und Lust löst ungeahnte Erregung aus oder es tut einfach nur saumäßig weh. Und: Selbst jemand, der Lustschmerz etwas abgewinnen kann, möchte das nicht rund um die Uhr! Allein der weibliche Zyklus führt da sicher zu Einschränkungen für masochistische, devote Frauen. Männer haben halt keinen Zyklus – aber natürlich gibt es auch hier welche, die gern devot und/oder masochistisch sind.

Ob man selbst mit dieser Art der Sexualität etwas zu tun haben möchte oder nicht muss jeder und jede selbst entscheiden. Sicher schwirren devote oder dominante Phantasien durch die Köpfe vieler Menschen, die diese aber nie ausleben würden. Sei es aus Angst davor, was „in echt“ alles geschehen könnte oder um sich ihre Lieblingsphantasie nicht zu ruinieren.

Vorausgesetzt man wagt den Schritt es auszuprobieren: Welcher Part einem mehr Freude bereitet, die dominante, bestimmende Rolle oder der devote, empfangende und „gehorchende“ Part ist eine Frage des Ausprobierens. (Das kann aber auch je nach Tagesform oder auch mit der Person, die einem begegnet abwechseln.) Schaut man sich in SM-Foren im Netz um, so gibt es dort auch viele Menschen, die Switchen also mal die eine, mal die andere Rolle übernehmen und das als sehr erfüllend empfinden.

Lust ist etwas so Wunderbares und was zwei Menschen gemeinsam Lust bereitet müssen sie miteinander herausfinden. Wenn wir auf einen für uns neuen Menschen treffen wird unsere Sexualität hoffentlich ein Stück weit bereichert durch neue Ideen, die an uns herangetragen werden. Bleiben wir länger mit jemandem zusammen, ist es dann irgendwann ein Konglomerat aus allem was beide an Ideen und Erfahrungen mitgebracht haben. Dann können auch Dinge Spaß machen & erregen, die einem vorher vielleicht fremd waren oder einfach mit dem Partner davor nicht recht passen wollten. Also gilt auch wenn es um Kinky Sex geht: Probiert euch aus wenn ihr mögt und nehmt das an, was gut für euch ist!
Und: Wenn‘ s mal albern ist, dann könnt ihr hoffentlich auch über die seltsame Situation miteinander lachen!

Abschließend einige letzte Worte über Doms im Netz: Selbst wenn man sich in einem Forum bewegt, in dem es eigentlich klar ist, dass alle, die dort sind sich für Themen wie Dom/ Sub-Beziehungen oder Sadismus/Masochismus interessieren ist es doch manchmal so, dass viele glauben, sie könnten mit der Tür ins Haus fallen. Da wird dann verbal „drauf los dominiert“, was das Zeug hält. Will heißen, bevor man sich nett begrüßt hat oder klären konnte, was genau für Interessen einen hierher gebracht haben, soll man Unbekannte Männer mit Sir oder Herr anschreiben und vor ihnen virtuell auf die Knie sinken.

So etwas ist nicht sexy, werte Online-Doms. Auch in einem solchen Kontext ist eine potentiell unterwürfige Person (sei sie männlich oder weiblich) erfreut wenn normale Regeln der Höflichkeit eingehalten werden. Also eine Vorstellung und ein Wenig Small-Talk sind auch im Chat mit einschlägigem Kontext gern gesehen. Wenn man dann ein wenig „geplauscht“ hat, kann man ja mal gaaaanz vorsichtig anfangen nach Vorlieben oder Phantasien zu fragen bzw. ob Interesse am Spiel mit Dominanz und Devotion im Chat (sozusagen online-dominieren) vorhanden ist. Dann kann das durchaus Freude machen. (Aber auch hier solltest Du immer im Hinterkopf haben, dass Du nie genau weißt, wer am anderen Ende vor der Tastatur sitzt!)

Für die Suche nach Informationen und Fragen zum Thema sind solche Foren aber durchaus eine schöne Sache, denn zwischen den seltsamen Leuten schwirren dort auch welche herum, die an einem ernsthaften Austausch zum Thema BDSM interessiert sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.