Sexshop-Erfahrungen: Und plötzlich war Schlussverkauf

Sex shop

Manchmal begebe ich mich in einem Sexshop „zum Anfassen“ auf die Suche nach einem Love-Toy oder erotischer Wäsche. In Berlin habe ich natürlich den Luxus mir einen aus vielen Läden aussuchen zu können. Besonders leicht erreichbar ist für mich der Beate Uhse Shop nahe dem U-Bhf. Zoologischer Garten. Leider ist dieser in einer schmuddeligen Ecke untergebracht. Die dunkle Passage ist geprägt von Imbissen, Sexshop-Konkurrenz und Billig-Läden.

Hat man es aber erst einmal in den Laden geschafft, so wirkt alles recht freundlich. Einen großen Teil des Ladens nehmen Dessous ein, die oft nur auf den zweiten Blick verraten warum sie (nur) dort verkauft werden. Aber vielleicht sind für mich Korsetts, Korsagen oder Ouvert-Strings (inzwischen) alltäglich geworden. Viele der Kunden dort sind sicherlich Touristen. Immer wieder erstaunlich finde ich auch viele junge Paare dort zu sehen. Mit Anfang zwanzig wäre mir das tödlich peinlich gewesen einen Sex-Shop zu betreten. Aber heute finde ich es toll, dass Sexualität ihre freie Entfaltung finden kann gerade wenn man in einer Beziehung ist.

Zusammengefasst kann ich sagen: Der Laden ist hell und freundlich, die Farben sind eher auf die weibliche Kundschaft ausgelegt – viel beeriges pink! Was am meisten ins Auge fällt sind Spielzeuge, Wäsche & recht viele Bücher. DVDs gibts in einem zweiten Raum. Das Sexkino hat dicht gemacht und im August dieses Jahres wurde nach zwanzig jährigem Bestehen auch das Beate Uhse Erotikmuseum geschlossen.

Hier einzukaufen ist – vermutlich wegen der touristenfreundlichen Lage – recht teuer finde ich. Aber man kann einen Verkäufer oder eine Verkäuferin um Hilfe bitten wenn man etwas wissen möchte und zwei Umkleidekabinen gibt es auch – was nicht selbstverständlich ist für einen Sexshop.

Mein liebster Laden ist allerdings die einzige Erdbeermund-Filiale Berlins in der Sybelstraße (Charlottenburg). Das Sortiment ist sehr umfangreich und die Leute an der Kasse beantworten – egal ob männlich oder weiblich gerne Fragen zu den Produkten. Hier hatte ich bisher immer das Gefühl man freute sich geradezu etwas zu den Sachen erzählen zu können. Die Beratung erfolgt sehr freundlich und professionell wie ich finde. Wenn man den Punkt erreicht hat, dass einem der Besuch dort nicht (mehr) peinlich ist, dann ist es ein großes Vergnügen zu stöbern. Auch hier sind die Preise recht hoch aber dafür kann man dort bis nachts um eins oder am Wochenende sogar bis drei Uhr einkaufen – ich nehme an wegen des darüber befindlichen „Erlebniskinos“. (Zum Shop gibts aber eine klare Trennung.)

Die Regale sind rot wie der Erdbeermund und die Präsentation der Artikel ist sehr aufgeräumt. Die Gänge ermöglichen hier eher ein unbeobachtetes Aussuchen als im Beate Uhse Store, der offener gestaltet ist. Manchmal will man doch in Ruhe vor der Entscheidung stehen ob es jetzt ein Analplug oder vielleicht doch der neue stoßende Vibrator wird!

In Erotik-Läden mit einem breiten Sortiment hatte ich manchmal den Eindruck, dass gerade Männer, die dort einkaufen von einer Frau die das Selbe tut irritiert sind. Inzwischen lasse ich mich durch so etwas nicht mehr aus der Ruhe bringen.

Nur neulich war es seltsam: Da hatte Beate Uhse den Schlussverkauf ausgerufen und es gab in einem extra Raum tatsächlich Grabbeltische auf denen man sich drei Teile für zehn Euro zusammen kramen konnte. Daneben stand der Ständer mit Lack und Latex-Mode. Leider hatten dort schon so viele vor mir gewühlt, dass alles miteinander verheddert war…

Aber zurück zum eigentlich Seltsamen: Der Laden war wirklich rappelvoll. Überall begegnete man Menschen und hin und wieder fing man Blicke auf. Das war auch für mich neu und ich klemmte meine „Beute“ fast etwas verschämt unter den Arm. So viele Menschen wie du und ich schlenderten durch diesen Laden, der einem das Sexleben versüßen möchte. Einerseits freue ich mich natürlich über so viele aufgeschlossene Menschen aber irgendwie war es ungewohnt.

Wenn sich drei bis fünf Kunden auf einen großen Laden verteilen ist man natürlich solidarisch wenn man aneinander vorbei gehen muss. Wir sind ja alle fünf dort, um unser Sexleben etwas zu „pimpen“. Aber wenn das so eine Massenbewegung ist fühlt sich das (noch) seltsam an. Manchmal reicht es dann doch wenn man der Verkäuferin an der Kasse auf die Nase bindet, was mit ins heimische Schlafzimmer kommen darf. Selbst beim aufgeschlossensten Menschen bleibt ein Wunsch nach einem Rest von Privatsphäre erhalten, denke ich. Wenn das Spielzeug oder heiße Wäscheteil dann zu Hause ist kann ich schließlich immer noch entscheiden, wem ich es zeigen oder wem ich davon erzählen möchte!

Noch zwei Berliner Läden:

Für (ernsthaft) BDSM Interessierte kann ich den Peitschenhandel in Berlin Neukölln empfehlen und McHurt in Berlin Tempelhof. Beide Läden liegen in Wohngegenden, einer im 2. Hinterhof (Lagerverkauf) und der andere sehr dezent hinter Jalousien versteckt in einem Eckladen. Hier wird kein großes Tamtam nach außen gemacht. Betritt man das Geschäft von McHurt, so duftet der gesamte Raum wunderbar nach Leder. Wer das Spiel mit dem Schmerz oder einem Machtgefälle ausprobieren möchte wird in beiden Geschäften fündig. Und: Auch oder gerade dort wird man sehr detailliert und freundlich beraten von Menschen, die wissen wovon sie sprechen. Wer neugierig aber doch zu schüchtern ist für einen Besuch dort findet beide Läden auch im Netz (McHurt.eu und Peitschenhandel.de).

(Natürlich bekommt man Einsteigersets für BDSM-Neugierige auch in Sex-Shops mit breitem Sortiment – aber die Qualität ist häufig niedriger und die Sachen sind unverhältnismäßig teuer.)

Der Artikel drückt nur meine persönliche Meinung aus und es besteht keine geschäftliche Beziehung zu einem der genannten Läden.

In welchem Laden für Liebesspielzeuge und erotische Wäsche lohnt es sich mal vorbei zu schauen? Tipps für Berlin, Köln und Hamburg wären toll.

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