Sex zwischen Phantasie & Realität

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Nachdenkliche junge Frau

Mit all den Bildern und Ideen, die medial rund ums Thema Sex auf uns einprasseln sind wir manchmal einfach überfordert – oder? Was ist denn nun richtig für uns? Porn-Sex sieht meist eher roh aus, wird begleitet von künstlichem Gestöhne und bei Hochglanzproduktionen von geradezu übermenschlich glatten Darstellern in einem immer sehr ähnlichen Look.
Das mag in Ermangelung echter Alternativen mal ganz nett sein als Zeitvertreib für einen Abend aber den Wenigsten von uns dürfte einfallen, diese zum Teil albernen und oft lieblos wirkenden Szenarien zu Hause eins zu eins nachstellen zu wollen. Gleichzeitig geistern in vielen Köpfen anscheinend Ideen von hartem, schnellen Sex herum – bei dem Einer die Führung übernimmt. Wie ließe sich sonst der Absatz von erotischer oder auch BDSM-angehauchter Literatur erklären? Doch muß das alles sein?
Natürlich nicht – es muß gar nichts. Jeder von uns, der das nicht nur „ansprechend“ findet, trifft hoffentlich auf ein Gegenüber, dem es ähnlich geht. Liebhaber des langsamen und genußvollen Kuschelsex sind da draußen bestimmt genau so häufig zu finden! Aber das wunderbare an uns Menschen ist doch unsere Vielschichtigkeit.

Was in einem Moment eine gute Idee ist und zwei Menschen in vielleicht ungeahnte Erregung versetzen mag, ist in einem anderen Augenblick für beide nicht die gewünschte Art sich körperlich näher zu kommen. Wer heute auf den schnellen Quickie zwischen Tür und Angel steht, kann sich morgen schon über einen ganzen Abend voller sanfter Küsse freuen oder eine erotische Massage genießen. Wem es Befriedigung verschafft, hin und wieder in Mehrsamkeiten fremde Haut zu spüren, der ist den größeren Anteil der Zeit vielleicht mit ganzem Herzen monogam. Insbesondere wenn man das Glück hat, dass man gemeinsam nicht alltägliche Erfahrungen macht – ohne Heimlichkeiten und Betrug.

Phantasien leben häufig von dem Überschreiten eigener Moralvorstellungen. Manche dieser Vorstellungen – wie das Ideal der monogamen Beziehung – sind gesellschaftlich verankert und viele von uns haben dies für sich selbst verinnerlicht. Liebesgeschichten – gerade solche mit Betonung auf der sexuellen Erfahrungen der Figuren – münden nicht zu selten in eine abgeschlossene Zweierbeziehung, die wegen der in allen schillernden Farben beschriebenen tiefen Liebe des Paares nicht durch Andere gefärdet wird.

Vielleicht fasziniert gerade daher das Andere noch oft genug? Szenen in Pornofilmen mit drei oder mehr Darstellern, in denen alle fünf Minuten der Partner wechselt. Kein Hintefragen, ob das jetzt richtig ist oder falsch, dass alle miteinander
vögeln. Die Problemlosigkeit mit der eine Frau mit zwei oder drei Männern Oralsex praktiziert. Die absolute Fixierung aufs Körperliche.

Ebenso die lange auf den Bestsellerlisten stehenden Romane „Shades of Grey“ und „Crossfire“. Ohne auf die männlichen Charaktere genauer eingehen zu wollen: Der Kerngedanke ist die Dominanz des Mannes gegenüber der Frau (mindestens) in der Sexualität. Wo wir uns gesellschaftlich inzwischen einig sind (hoffentlich!), dass die Frau keineswegs mehr unter dem Mann steht, fasziniert der Gedanke dass es beim Sex anders sein könnte eine breite (weibliche) Leserschaft. Mehr als schade ist, dass in solchen Büchern nicht klar getrennt wird zwischen Leben und Schlafzimmer. Und was mich doch immer wieder wütend macht, ist die übermäßige Eifersucht bzw. der Kontrollwahn, der dort dargestellt wird – mit dem sich Frau über kurz oder lang zu arrangieren hat. Nur weil jemand liebt, darf er niemanden auf Schritt und Tritt verfolgen, Handys tracken oder ähnlichen Mist. Das ist gefährlich solche Dinge als Lappalien darzustellen oder als Folge eines schweren Kindheitstraumas. Das vermittelt ja den Eindruck, man hätte keine Wahl und müsse wg. der großen erlittenen Verletzung des Partners alles widerspruchslos akzeptieren. Da wird mir schlecht aber ganz ehrlich!!!

Die meisten Frauen unter uns dürften es hingegen sehr zu schätzen wissen, wenn uns niemand kontrolliert oder sich  aufspielt als sei er unser Vater! Eifersucht in normalem Maß schmeichelt sicher aber wenn sie überzogen ist, dann zerstört sie Beziehungen – ganz ohne Grund oder Anlaß.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Wir alle, ob Männer oder Frauen sind jeden Tag vielen medialen Reizen ausgesetz. Bildern von jungen, schönen bis makelosen Menschen – Werbeplakaten mit Frauen, denen mit Photoshop die Beine verlängert wurden, Männern mit Sixpack. Und diejenigen unter uns, die der Pornografie in Wort oder Bild zugeneigt sind bekommen nochmal etwas mehr Phantasie-Input. Phantasie-Bilder in gewisser Weise mit Phantasie-Menschen in ebensolchen Szenarien.

Wenn wir dann allein oder mit unserem Partner zu Hause sind und unser Kopfkino „anschmeißen“ bildet sich aus all dem in einer Mischung mit unseren Erfahrungen ein uns erregendes Konglomerat. Das schmeckt uns vielleicht gar nicht immer – wenn wir danach darüber nachdenken. Aber es erregt in bestimmten Momenten. Ich finde wir sollten uns die Freiheit nehmen, manchmal Dinge zu denken, die uns erregen, uns „schweinische“ Dinge ins Ohr zu flüstern oder je nach Neigung durchs Zimmer zu schreien wenn es uns anmacht. In einer Beziehung weiß man irgendwann, was beim Objekt unserer Begierde „kickt“. Gönnen wir uns das gegenseitig. Reden wir darüber! Ficken wir wenns passt und schlafen miteinander wenn uns danach ist in Löffelchenstellung nach unaufgeregten Stößen einzuschlafen.

Jagen wir das schlechte Gewissen aus dem Schlafzimmer fort, weil angeblich Falsches uns Freude bereitet hat oder wir uns im Vergleich mit all diesen Bildern langweilig erscheinen. Hauptsache wir bleiben bei uns und jeder und jede ruft sich immer wieder ins Gedächtnis, dass Sex erfüllend sein soll und keine olympische Disziplin darstellt. Niemand muß plötzlich SM oder Gruppensex praktizieren, weil es ihn oder sie erregt hat darüber zu lesen oder man es in einem Film gesehen hat. Manche Lieblingsphantasie erhält frau/man sich vielleicht einfach – wer weiß wie schmucklos die Umsetzung wäre?

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